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Jessup Moot Court 2013

Bewerbung

Gegen Mitte des Sommersemesters 2012 kamen zwei ehemalige Teilnehmer des Philip C. Jessup Moot Courts - unsere späteren Student Coaches Evgeniya Yushkova und Benjamin Nußberger - in unsere Vorlesung im Öffentlichen Recht und stellten uns den Wettbewerb vor. Sie berichteten von ihren Erfahrungen und weckten in uns allen großes Interesse, an diesem völkerrechtlichen Moot Court teilzunehmen. Nach einem weiteren Informationsabend im juristischen Seminar, auf dem etwas tiefergehend über den Moot Court informiert wurde, war uns klar: Wir wollten in das diesjährige Heidelberger Team! Wir wollten diese einmalige Chance nutzen, uns tief ins Völkerrecht einzuarbeiten, die anwaltliche Praxis auf völkerrechtlicher Ebene zu erleben und wertvolle Erfahrungen zu sammeln.
 
Also bewarben wir uns und wurden kurz darauf zum Bewerbungsgespräch an unseren späteren Arbeitsplatz, dem Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, eingeladen. Zuvor bereitete jeder ein Referat zu einem völkerrechtlichen Thema vor. Dabei war es nicht entscheidend, welches Thema gewählt wurde - es waren unter uns fünfen so unterschiedliche Themen dabei wie Cyberkrieg, Drohnenattacken, Klimaflüchtlinge, Landminen oder die Besprechung eines kürzlich ergangenen IGH-Urteils. Eine besondere Herausforderung waren die sich anschließenden fachlichen Fragen zu unseren Themen und zum allgemeinen Völkerrecht. Da die Kenntnis des Letzteren bis dato eher schwach ausgeprägt war, ging es weniger darum, Wissen abzufragen als unsere Reaktion und vor allem unsere Schlagfertigkeit zu testen.
 
Einige Tage später klingelte dann das Handy mit einer unbekannten Heidelberger Nummer und nach Abnahme hieß es: „This is Ximena Soley from the Jessup. We want you to be on the team for this year’s competition!“
 
Damit stand das Heidelberger Team für den Jessup 2012/2013 fest: Nadine Berger, Eleanor Benz, Felix Boos, Sophie Eichhorn und Fin-Jasper Langmack.

Das Heidelberger Jessup-Team 2013

Das Heidelberger Jessup-Team 2013 mit seinen beiden Student Coaches. Von links nach rechts Evgeniya Yushkova, Nadine Berger, Eleanor Benz, Felix Boos, Sophie Eichhorn, Fin-Jasper Langmack und Benjamin Nußberger.

Head-Coach Ximena Soley

Head-Coach des Heidelberger Jessup-Teams 2013 Ximena Soley.

Vorbereitung

Einige Wochen später trafen sich Team und Coaches am Neckar. Wir sahen uns zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht, sprachen zum ersten Mal privat mit den Coaches und bekamen bereits viel von ihren Jessup-Erfahrungen erzählt, sodass wir nach diesem Nachmittag den Wettbewerbsbeginn kaum noch abwarten konnten. Aber zunächst mussten wir uns noch ausgiebig auf den Start vorbereiten und das hieß vor allem: sich ins Völkerrecht einarbeiten. So wurde „der Brownlie“, ein Standardlehrbuch des Völkerrechts, zu unserem ständigen Begleiter während der Semesterferien, sei es in Südafrika oder als Zeitvertreib auf der 22-stündigen Busfahrt von Bolivien nach Paraguay. Dann, am 14. September, stieg die Spannung, denn an diesem Tag sollte der Compromis - der zu bearbeitende Sachverhalt - veröffentlicht werden.
Nach ständigem aktualisieren der Internetseite war es dann gegen Abend soweit und wir wussten:
Wir würden uns im nächsten halben Jahr mit Klimaflüchtlingen, der Staatlichkeit versunkener Inseln, Menschenrechten von Gefangenen und den Folgen des Schuldenmoratoriums eines kleinen Inselstaates auseinandersetzen.
 
Nach Bezug unseres geräumigen Büros im Max-Planck-Institut und einigen Vorüberlegungen war dann auch klar, wie die Rollen innerhalb des Teams verteilt sein würden: Nadine Berger und Fin-Jasper Langmack würden als Anwälte des großen Industriestaates Rutasia auftreten. Elli Benz, Sophie Eichhorn und Felix Boos schlüpften in die „Underdog-Rolle“ als Vertreter des sympathischen - allerdings versunkenen - Inselstaates Alfurna.
 
Mit diesen Positionen im Kopf begann die erste Vorbereitungsphase in Hinblick auf die National Rounds im Februar 2013. Eingeteilt in Kläger und Beklagter war es unser Ziel, die besten Argumente für unseren jeweiligen Staat zu finden und diese in zwei möglichst überzeugende Memorials zu gießen. Angeleitet von unseren Coaches lernten wir, vom neutralen Gutachtenstil Abstand zu nehmen, in die Anwaltsrolle zu schlüpfen und stringente Argumente zu formulieren. Da sich Antworten auf aktuelle Fragen des Völkerrechts wie die der Zukunft kleiner, vom steigenden Meeresspiegel bedrohter Inselstaaten oder von Klimaflüchtlingen nicht schon fertig aufbereitet in Lehrbüchern oder Skripten finden, war eigene rechtliche Recherche, Kreativität und eine große Portion Glaube an die eigene Argumentations- und Überzeugungsfähigkeit gefragt. Doch dank der umfangreichen Bibliothek des Max-Planck-Instituts, sowie unserer guten Betreuung hatten wir beste Voraussetzungen, diese Herausforderung zu meistern. Hinzu kam, dass sich in dieser arbeitsintensiven Phase, in der sich unser Büro nicht nur in unser Zuhause, sondern ebenfalls in eine eigene, kleine Völkerrechtsbibliothek verwandelte, ein ausgesprochener Teamgeist unter uns „Mooties“ entwickelte. Es wurde heftig diskutiert, viel herzhaft gelacht und wenn einer nach schier endloser Quellensuche in einem Urteil des Gerichtshofs von Zypern oder in einem philippinischen Einwanderungsgesetz endlich etwas Passendes gefunden hatte, war die gemeinsame Freude groß. Dieser einmalige Teamgeist, der am Anfang noch durch einen gelungenen Ausflug nach Straßburg zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gestärkt worden war, half, auch in einer Woche, in der vielleicht einmal kein so großer Fortschritt zu spüren war, nicht den Spaß an der Recherchearbeit zu verlieren. Er entschädigte für fehlende Stunden Schlaf und verkürzte Feiertage an Weihnachten und ließ nächtliche Spaziergänge im Neuenheimer Feld oder Ausflüge zur nächsten Dönerbude zu erinnerungswürdigen Erlebnissen werden.
Am Ende dieser intensiven Phase überwog der Stolz, die druckfrischen und gebundenen Schriftsätze in den Händen zu halten, die Erschöpfung des Abgabeendspurts. Um die prägende Erfahrung reicher, es mit kaum völkerrechtlichen Vorkenntnissen geschafft zu haben, zwei Memorials mit durchdachten und auf den Punkt gebrachten Argumenten zu verfassen, starteten wir in die Pleadingphase.
 
Während in der Memorialphase schwierige Rechtsfragen im Zentrum standen, ging es nun darum, die rechtlichen Argumente in eine Geschichte einzubetten und überzeugend in einem 21-23 minütigen Plädoyer den Richtern zu präsentieren. In rund 15 Probe-Pleadings stellten wir uns den kritischen Fragen unserer Coaches, ehemaligen Teilnehmern des Jessup, Anwälten und Mitarbeitern des Max-Planck-Instituts. Nachdem unsere Rhetorik geschliffen und letzte Wissenslücken gefüllt waren, fieberten wir gespannt dem Ernstfall entgegen.

National Rounds vom 13.-16. Februar in Heidelberg

Da das Heidelberger Team im Vorjahr als Zweitplatzierter in Deutschland und Octafinalist in Washington D.C. erfolgreich am Jessup Moot Court 2012 teilgenommen hatte, richtete die Universität Heidelberg in diesem Jahr die National Rounds aus. Voller Vorfreude und in gespannter Erwartung der kommenden Tage zogen wir am 13. Februar als Gastgeberteam bepackt mit Ordnern, Büchern, Laptops und Nervennahrung vom mittlerweile unserem Zuhause gleichenden Max-Planck-Institut ins Hotel Backmulde in der Heidelberger Altstadt.
 
Wir erfuhren, dass wir gegen die Teams aus Frankfurt (Oder), Erlangen, Bochum und der Freien Universität Berlin antreten sollten. Nach herzlichen Begrüßungsworten und erstem Kennenlernen der anderen 20 Teams bereiteten wir uns also bis in die frühen Morgenstunden auf unsere ersten Plädoyers vor. Die Memorials der gegnerischen Teams ließen deren Argumentation erahnen, weshalb wir unsere Plädoyers darauf ein- und umstellten und dabei auf die Fülle an Diskussionen und Recherchen der vorangegangenen Monate zugreifen konnten.
 
Früh am Morgen des nächsten Tages traten unsere Respondents gegen die Applicants aus Erlangen an und stellten sich den Fragen der Richter. Am späten Nachmittag folgten unsere Applicants gegen die Respondents der Freien Universität Berlin. Nach einer weiteren Nacht der Vorbereitung folgten die dritten und vierten Begegnungen gegen die Teams aus Bochum und Frankfurt (Oder). Auf alle vier Runden blicken wir zufrieden zurück.
 
Hoch gespannt fieberten wir der Bekanntgabe der Vorrunden-Ergebnisse entgegen, die am Abend des 15. Februar in der Print Media Lounge stattfinden sollte. Nach zittrigen Minuten mussten wir erfahren, dass wir nicht unter den vier besten Teams der Vorrunde waren, sondern auf dem sechsten Platz den Jessup Moot Court 2013 abschlossen. Nach anfänglich sehr großer Enttäuschung und realisierend, dass eine der wohl intensivsten Zeiten unseres Studiums nun ein abruptes Ende gefunden hatte, bemühten wir uns dennoch, den restlichen Abend und den Abschlusstag mit Jessup-Spirit zu genießen. Mit unseren Ergebnissen konnten wir dennoch sehr zufrieden sein, hatten wir doch zwei Runden 9-0 und eine 8-1 gewonnen.
 
Nach einem spannenden Match um den dritten Platz zwischen den Teams aus Trier und Bochum, aus dem die Applicants aus Bochum als verdienter Sieger hervorgingen, füllte sich die Alte Aula, um dem Finale zwischen der Humboldt-Universität Berlin und Jena beizuwohnen, das vor einer neunköpfigen Richterbank, bestehend u.a. aus Bruno Simma, ehem. Richter am Internationalen Gerichtshof, Mark Villiger und Angelika Nußberger, Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und Andreas Paulus, Richter am Bundesverfassungsgericht, stattfand. Nach hartnäckigen Fragen der Richter und gekonnten Plädoyers beider Teams erwarteten alle mit Spannung, welches Team den Deutschlandausscheid 2013 gewonnen hatte.
 
Beim Galadinner auf der Molkenkur wurde das Jenaer Team verdient als Sieger ausgerufen. Wir als Heidelberger Team freuten uns, dass unsere Schriftsätze mit 507 Punkten den vierten Platz erreichten, mit nur 7 Punkten Abstand zum Erstplatzierten, der Humboldt-Universität Berlin.

(Von links nach rechts) Felix Boos, Sophie Eichhorn und Eleanor Benz als Anwälte des fiktiven Inselstaates Alfurna

(Von links nach rechts) Felix Boos, Sophie Eichhorn und Eleanor Benz als Anwälte des fiktiven Inselstaates Alfurna kurz vor Verhandlungsbeginn bei den National Rounds in Heidelberg.

Nadine Berger und Fin-Jasper Langmack als Anwälte des fiktiven Staates Rutasia

Nadine Berger und Fin-Jasper Langmack als Anwälte des fiktiven Staates Rutasia kurz vor Verhandlungsbeginn bei den National Rounds in Heidelberg.

So blicken wir auf eine der intensivsten, spannendsten und bereicherndsten Erfahrungen unseres bisherigen Studiums zurück.
 
Für die großartige Betreuung und Unterstützung, die wir im vergangenen Semester erfahren durften, möchten wir uns ganz herzlich bei allen Mitarbeitern des Max-Planck-Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, insbesondere bei Herrn Prof. Dr. Armin von Bogdandy und Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Wolfrum, bedanken. Die Offenheit, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit, mit der wir am Institut aufgenommen wurden, waren nicht selbstverständlich und haben uns eine großartige Zeit beschert.
 
Außerdem gilt unserer Dank Herrn Prof. Dr. Bernd Grzeszick, ohne dessen Engagement, Tatkraft und Begeisterung für den Wettbewerb die Ausrichtung der diesjährigen National Rounds nicht möglich gewesen wäre.
 
Schließlich möchten wir unseren drei Coaches danken! Ohne unseren Head-Coach Ximena Soley und unsere beiden Student Coaches Evgeniya Yushkova und Benjamin Nußberger, die uns mit viel Gespür und Motivation in den richtigen Momenten Mut machten, klare Worte fanden und stets den Überblick behielten, wäre diese Zeit nicht zu der geworden, die sie war.