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Michael Zürn

Vom 2. bis zum 4. Mai gab der Politikwissenschaftler Michael Zürn, Direktor der Abteilung Global Governance am Wissenschaftszentrum Berlin und Professor für Internationale Beziehungen an der Freien Universität, die fünfte Masterclass in International Law – und trat  damit  in die Fußstapfen von Benvenisti, Habermas, Koskenniemi und Tourme-Jouannet. Michael Zürn diskutierte mit 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Institut sowie externen Teilnehmenden über  „Global Governance in Hard Times“. In seiner Forschung untersucht Michael Zürn unter anderem Entstehung und Funktionsweisen internationaler Organisationen und Institutionen und deren Einfluss auf die globale politische Ordnung - ebenso wie normative Spannungen und politische Konflikte, die aus der Präsenz dieser neuen Akteure entstehen. 

Zürn begann die Masterclass mit einer Einführung in das Forschungsfeld der Global Governance, die sich vom hergebrachten Dualismus zwischen Realismus und Institutionalismus entferne. Vielmehr sei Global Governance als Formation institutionalisierter Machtbeziehungen zu verstehen, die sich aus allgemeinen normativen Prinzipien und einem spezifischen Set von Institutionen zusammensetzen. In diesem Sinne stand der Begriff der Autorität im Mittelpunkt der ersten Sitzung. Autorität, die auf der Anerkennung einer asymmetrischen Beziehung beruhe, könne nicht nur Staaten, sondern auch internationalen Organisationen zugeschrieben werden. Diskutiert wurde insbesondere, welche Rolle Legitimität und Macht hierbei spielen und welche Formen der Autorität existieren.

Der zweite Tag drehte sich um die Politisierung der Europäischen Union in der Krise. Wachsendes öffentliches Bewusstsein habe in der Finanz- und Währungskrise zu einer zunehmenden Politisierung geführt. Doch wie lässt sich die oft kommunizierte Alternativlosigkeit in der EU überwinden in einem Diskurs, der zu großen Teilen von exekutiven und technokratischen Akteuren bestimmt wird? Dass eine aktive Politisierung eine Chance für die europäische Vergesellschaftung sein könne, betonte Zürn auch in seinem Abendvortrag im Deutsch-Amerikanischen Institut Heidelberg (DAI), in dem er in vergleichender Perspektive über Solidarität mit Griechenland und mit Flüchtlingen sprach. Zürn vertrat hierbei die These, dass eine pro-aktive Politisierung der politischen Führung eine notwendige Voraussetzung erfolgreicher europäischer Politik sei. Er ermutigte dazu, europäische Fragen im öffentlichen Diskurs ergebnisoffen zu diskutieren, um europäische Politiken stärker zu legitimieren. Zwar gehe man so das  Risiko ein, auch einmal zu „verlieren“, doch würde so nicht jedes europäische Problem zu einer sprachlosen Polarisierung zwischen EU-Gegnern und-Befürwortern führen.

Auch der dritte Tag bot viel Stoff für Diskussion, als es um das Thema „Internationale Organisationen und Schutz der Menschenrechte“ ging – ein Forschungsgebiet des MPIL, das nun aus der Perspektive des Politikwissenschaftlers vorgestellt wurde. Besprochen wurde, welche Kausalmechanismen zur Etablierung von Schutzmechanismen gegen Menschenrechtsverletzungen in Internationalen Organisationen führen und inwieweit diese messbar sind. Daneben wurde unter anderem diskutiert, ob die Europäische Union überhaupt als Internationale Organisation betrachtet werden könne.

Insgesamt war die Masterclass geprägt von einem Gespräch zwischen Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft, aus dem beide Seiten neue Erkenntnisse und Perspektiven gewinnen konnten. Während die Juristen einen Einblick in politikwissenschaftliche Methoden und Begrifflichkeiten erhielten, mangelte es im Gegenzug auch nicht an (kritischen) Denkanstößen für Michael Zürns Forschung. Als ein Fazit der Masterclass formulierte Zürn abschließend, dass man angesichts der unterschiedlichen Herangehensweisen seine disziplinären Vorverständnisse stets kritisch hinterfragen sollte.