Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht Logo Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht

Sie befinden sich hier: Forschung Forschung nach Rechtsgebieten Deutsches und ausländisches öffentliches Recht, Rechtsvergleichung Ius Publicum Europaeum

Ius Publicum Europaeum

  


Ansprechpartner

Projektbeschreibung
 

Die Autoren der Reihe Ius Publicum Europaeum widmen sich dem Strukturwandel des öffentlichen Rechts in Europa. Ius Publicum Europaeum meint den öffentlichrechtlichen Aspekt eines Rechtsraums, den das Recht der Europäischen Union und das ihrer Mitgliedstaaten gemeinsam bilden, der sich jedoch auch aus weiteren Quellen speist und über ihre Grenzen hinaus wirkt. Das Projekt steht heute im Zeichen der zahlreichen Krisen der letzten Jahre; der Finanzkrise, der Schuldenkrise, der Flüchtlingskrise, der Krisen durch systemische Defizite, und nicht zuletzt dem abnehmenden Vertrauen in die Demokratie. Europas Versprechen haben gelitten. Europas Recht ist heute unübersichtlicher und chaotischer. Das ist die Herausforderung vor der die Ius Publicum-Reihe steht (Armin von Bogdandy, The Idea of European Public Law Today, MPIL Research Paper No. 2017-04).
 

I. Die Bedeutung des Rechtsvergleichs im europäischen Rechtsraum

Rechtsvergleichung spielt in der Herausbildung des Ius Publicum Europaeum eine zentrale Rolle. Die Zeit ruft nach Texten, die die Grundlagen anderer europäischer Rechtsordnungen, insbesondere prägende historische Erfahrungen, Entwicklungsstufen, systematische Grundlagen, juristische und rechtswissenschaftliche Stile in der Perspektive des sich bildenden europäischen Rechtsraums erschließen. Das unionsrechtliche Prinzip der Loyalität verlangt die gegenseitige Berücksichtigung gerade öffentlichrechtlicher Rechtsmaterien. Oft ist zudem nur mittels Rechtsvergleichung das Regelungsmodell eines europäischen Rechtsaktes oder die Entscheidung eines europäischen Gerichts zu durchdringen und die angestoßene Transformation des nationalen Rechts zu begreifen. Rechtsvergleichung und Kenntnisse anderer Systeme des öffentlichen Rechts können den europäisch wie zwischenstaatlich agierenden Beamten helfen, die Positionen der Kolleginnen und Kollegen zu verstehen und die eigene Argumentationslinie abzustimmen und anzureichern. Ähnliches gilt für die sich intensivierende Begegnung von Rechtswissenschaftlern im europäischen rechtswissenschaftlichen Raum, auf Tagungen genauso wie am Schreibtisch, und zwar keineswegs allein bei "europabezogenen" Themen. Es wird immer mehr zum Standard guter rechtswissenschaftlicher Forschung, selbst eine rein innerstaatliche Fragestellung in einer europäischen Perspektive und aus fremden Lehren schöpfend neu zu entfalten.

Zugleich ist die Herausforderung groß. Ausländisches Recht ist fremd. Rechtsquellen und Rechtserkenntnisquellen sind nicht leicht zu erschließen. Oft ist die Terminologie anders. Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungspfade können dieselben Worte bzw. ihre sprachlichen Äquivalente divergierende Begriffe tragen. Diese sind nicht einfach zu ermitteln, da Rechtsbegriffe ihren vollen Gehalt erst im Zusammenhang mit anderen Rechtsbegriffen und aus der praktischen Handhabung erhalten. Die Pluralität im europäischen Rechtsraum im Allgemeinen sowie die in Art. 4 (2) EUV anerkannte expressive Rolle der nationalen Verfassungsrechte im Besonderen verlangen, fremdes Recht als solches zu akzeptieren und der Neigung entgegenzuwirken, sprachlichen Assonanzen unbeschwert nachzugeben.
 

II. Der Ansatz des Ius Publicum Europaeum-Projektes

Diesem Anliegen und den daraus folgenden Herausforderungen soll durch intensive Forschungskooperation und einschlägige Forschung des Instituts begegnet werden. Hierbei ist zunächst das Buchprojekt zu nennen, welches durch die Fritz Thyssen Stiftung gefördert wird. Das Augenmerk des mehrbändigen Werks, das seit 2007 im Verlag C.F. Müller (Heidelberg) erscheint, gilt den nationalen Verfassungs- und Verwaltungsordnungen, ihrer wechselseitigen Durchdringung sowie ihrer Öffnung für die supranationale Integration und die zwischenstaatliche Zusammenarbeit (Bände I bis VII). In weiteren Bänden sollen einzelne Aspekte des öffentlichen Rechts im europäischen Rechtsraum weiter vertieft werden.

Das Handbuch machte den Bedarf eines Anschlusses an den englischsprachigen europäischen Diskursraum sowie an globale Diskursräume des öffentlichen Rechts (vgl. die Gründungsidee der International Society of Public Law) deutlich. Das über den deutschen Sprachraum hinaus reichende Interesse am Handbuch führte 2013 schließlich zu einer neuen Projektphase, dem Max Planck Handbooks in European Public Law bei Oxford University Press. Dieses schließt an den Erfahrungen des Handbuchs an, positioniert sich dabei aber stärker für eine globale Leserschaft.

Handbuch Ius Publicum Europaeum

Projektleitung: Armin von Bogdandy und Peter M. Huber

Das Projektteam am Max-Planck-Institut wird geleitet von Christoph Krenn.

Die einzelnen Bände haben neben Peter M. Huber, Richter des Bundesverfassungsgerichts, jeweils einen ausländischen Mitherausgeber bzw. eine Mitherausgeberin. Für die Bände I und II konnte Pedro Cruz Villalón von der Universidad Autónoma in Madrid, bis 2015 Generalanwalt am Gerichtshof der Europäischen Union und Präsident des spanischen Verfassungsgerichts a.D., gewonnen werden, für die Bände III, IV und V Sabino Cassese von der Università "La Sapienza" in Rom und Richter am italienischen Verfassungsgerichtshof, sowie für die Bände VI und VII Christoph Grabenwarter von der Wirtschaftsuniversität Wien und Richter am österreichischen Verfassungsgerichtshof. Mitherausgeberin der Bände VIII und IX wird Lena Marcusson von der Universität Uppsala sein.

 

Inhaltsübersicht

Band I: Grundlagen und Grundzüge staatlichen Verfassungsrechts

Erschienen: Herbst 2007

Band II: Offene Staatlichkeit - Wissenschaft vom Verfassungsrecht

Erschienen: Frühjahr 2008

Band III: Verwaltungsrecht in Europa: Grundlagen 

Erschienen: Winter 2010

Band IV: Verwaltungsrecht in Europa: Wissenschaft

Erschienen: Frühjahr 2011

Band V: Verwaltungsrecht in Europa: Grundzüge 

Erschienen: Frühjahr 2014

Band VI: Verfassungsgerichtsbarkeit in Europa: Institutionen

Erschienen: Frühjahr 2016

 

Band VII erscheint vorrausichtlich Ende 2018

 

Übersetzungen ins Italienische:

Armin von Bogdandy, Sabino Cassese, Pierangelo Schiera, Lo Stato e il suo diritto. Il Mulino, Bologna, 2013, 136 S.

Besprechung:

  • Claudio Giulio Anta, Rivista di studi politici internazionali, 80 (2013) 4, S. 632-633.

 

Übersetzungen ins Spanische:

Armin von Bogdandy/Pedro Cruz Villalón/Peter M. Huber (Hrsg.), El derecho constitucional en el espacio jurídico europeo. Ius Publicum Europaeum I, Tirant Lo Blanch, Valencia, 2013, 180 S.

Besprechung:

  • Miguel Azpitarte Sánchez, UNED. Teoría y Realidad Constitucional, 32 (2013), S. 527-533.

 Armin von Bogdandy/Oriol Mir Puigpelat et al (Hrsg.), El derecho administrativo en el espacio jurídico europeo. Ius Publicum Europaeum II, Tirant Lo Blanch, Valencia, 2013, 394 S.

 

 

The Max Planck Handbooks in European Public Law

herausgegeben von Oxford University Press

Projektleiter: Armin von Bogdandy

Das Projektteam am Max Planck Institut wird geleitet von Sabrina Ragone und Theodor Shulman

Inhaltsübersicht

Band I: The Administrative State
Erschienen: Juni 2017


Band II: Constitutional Foundations
Erscheint: 2020


Band III: Constitutional Adjudication (I)
Erscheint: 2018


Band IV: Constitutional Adjudication (II)
Erscheint: 2019