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Strukturwandel des öffentlichen Rechts

Im Forschungsfeld „Strukturwandel des öffentlichen Rechts“ werden strukturelle Veränderungen des öffentlich-rechtlichen Normzusammenhangs rekonstruiert und kritisch evaluiert. Der soziale und politische Interaktionsrahmen wird zunehmend von Institutionen, Akteuren, Räumen und Handlungsformen jenseits des überkommenen nationalstaatlichen Gefüges determiniert. Mit diesen Verschiebungen verbindet sich eine grundlegende Neukonstellierung des öffentlichen Rechts. Administrative wie konstitutionelle Bedingungen wandeln sich fundamental. Diese Transformationen öffentlicher Ordnung und Gewaltausübung sind begrifflich zu fassen und in der doppelten Perspektive von Effektivität und Legitimität aufzuarbeiten. Die Forschung in diesem Feld expliziert den normativen Strukturwandel in seinem öffentlich-rechtlichen Gesamtzusammenhang.

 
Der Fokus auf Struktur verweist auf das Grundlegende, die Dynamik von Bedingungen, Gestalt und Grenzen des öffentlichen Rechts. Wichtige Aspekte dieser Dynamik bilden gegenwärtig die Prozesse der Inter- und Supranationalisierung, das schillernde Verhältnis von Öffentlichem und Privatem sowie der Wandel der Formen öffentlich-rechtlicher Normierung. Diese multiplen und oft vieldeutigen Prozesse interessieren vor allem als öffentlich-rechtlicher Strukturwandel. Ein besonderes Interesse gilt dabei der Rolle, der Form und dem Gehalt von Prinzipien des öffentlichen Rechts, welche die Dialektik von Einheit und Differenz innerhalb des öffentlich-rechtlichen Gesamtzusammenhanges organisieren.
 
Vor nunmehr über fünfzig Jahren erschien Jürgen Habermas' Habilitationsschrift „Strukturwandel der Öffentlichkeit“. Der Frankfurter Philosoph lehrte zu dieser Zeit in Heidelberg. Die heutigen Heidelberger Bemühungen um den öffentlich-rechtlichen Strukturwandel sind ohne die anhaltenden Impulse von Habermas' wirkmächtigen Fragen und Einsichten nicht zu denken. Mit Habermas verbindet sie das Interesse am Öffentlichen und seiner Geschichtlichkeit, die unorthodoxe Prägung durch die hegelianische Tradition und nicht zuletzt die leidenschaftliche Überzeugung, dass die Verwirklichung einer lebendigen öffentlichen Sphäre ein essentielles Gut darstellt, das es sorgsam zu achten und zu schützen gilt.
 
Die hier leitende juristische Perspektive fragt indes spezifischer nach dem rechtlichen Strukturwandel. Allerdings ist das Juridische in seinen Interdependenzen mit anderen normativen und faktischen Entwicklungen nachzuvollziehen, weshalb nicht nur das Gespräch mit Philosophie und politischer Theorie, sondern auch mit vielen anderen Disziplinen, insbesondere der Ökonomie, Soziologie und Geschichte, gesucht wird.