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Die Entwicklung des humanitären Völkerrechts im 19. Jahrhundert

Das Promotionsvorhaben soll die Ursprünge und Entwicklung des humanitären Völkerrechts – des im Kriege anwendbaren Rechtsregimes (sog. ius in bello) – im 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Beitrages nachvollziehen.

Der Forschungsanlass beruht auf einer zweifachen Beobachtung: zum einen stiegen die kriegsrechtlichen Kodifikationsansätze im 19. Jahrhundert quasi „aus dem Nichts“ sprunghaft an und verdichteten sich für völkerrechtliche Verhältnisse extrem schnell zu ersten rechtsverbindlichen Verträgen. Auch wenn sich das Rechtsregime in den Weltkriegen (wohl) nicht bewähren konnte, wird es doch gemeinhin seit den Genfer Konventionen von 1949 als konsolidiert angesehen. Das humanitäre Völkerrecht erlebt jedoch gegenwärtig eine Zeit des Überganges: sein Regelungsobjekt, die klassischen Staatenkriege, die es mit ihren überkommenen Konfliktstrukturen prägten, gehören der Vergangenheit an, das Tagesgeschehen wird mittlerweile durch den „Krieg gegen den internationalen Terrorismus“ und den zunehmenden „Cyberwar“ bestimmt. Ein Konflikt mit einem staatenlosen Feind oder einem gesichtslosen Gegner lässt sich aber nur unter großen Anstrengungen in die bestehenden Strukturen des humanitären Völkerrechts einordnen, sodass leicht dessen Anwendbarkeit bestritten und statt eines „völkerrechtlichen Verfassungselements“ im Sinne der aktuellen Konstitutionalisierungsdebatte vielmehr von einem „legal black hole“ gesprochen wird. Zum anderen lässt die Beobachtung aktueller Diskussionen um den Stand des humanitären Völkerrechts vermuten, dass nicht die bloße Fortentwicklung des Rechtsregimes zur Debatte steht, sondern seine grundständige (prinzipienorientierte) Entwicklung tatsächlich noch nicht abgeschlossen ist und ein Rückschritt im bisher erreichten Schutzniveau zu befürchten ist.

Das Forschungsprojekt möchte die wiedererstarkende Disziplin der Völkerrechtsgeschichte dazu nutzen, mit einem originär völkerrechtsgeschichtlichen Lösungsansatz die rechtliche Durchdringung des Krieges als elementaren zivilisatorischen Fortschritt der Menschheitsgeschichte aufzuzeigen. Es soll überprüft werden, ob das humanitäre Völkerrecht in einer rechtshistorischen Tradition steht, dessen Entwicklung in bestimmte Richtungen weist.


Doktorand

Betreuerin