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Tätigkeitsbericht für das Jahr 2002

VII. Wissenschaftlicher Nachwuchs und Gastwissenschaftler

B. Aktivitäten des wissenschaftlichen Nachwuchses am Institut

4. Teilnahme einer Gruppe von Studenten am Concours Européen des Droits de l'Homme René Cassin

Auch im Wintersemester 2001/2002 nahmen wieder drei Studenten der Universität Heidelberg am>Concours Européen des Droits de l'Homme René Cassin in Straßburg teil. Mit Marilyne Faltot (Frankreich), Imen Gallala (Tunesien) und Jantine de Kock (Belgien) war das Team in diesem Jahr rein international besetzt. Betreut wurde es von Ref. Cristina Hoß, Ref. Markus Rau und Ref. Kai Ziegler. Zwar konnte auch in diesem Jahr an den Erfolg der Jahre 1998 und 2000 nicht angeknüpft werden. Mit dem Erreichen des 16. Platzes konnte das Team angesichts der immer stärker werdenden Konkurrenz und der stetig steigenden Teilnehmerzahl gleichwohl durchaus zufrieden sein.

Der>Concours Cassin findet seit 1985 alljährig unter der Schirmherrschaft des Europarates statt. Der Wettbewerb widmet sich Rechtsfragen aus dem Bereich der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK). Die Organisation des Wettbewerbs wird im Wesentlichen von der>Association Juris Ludi in Straßburg wahrgenommen, die sich aus Studenten und Professoren zusammensetzt und nicht nur für die Gestaltung des zu verhandelnden Falles, sondern auch für die Durchführung der mündlichen Verhandlungswoche in Straßburg zuständig ist. Die an dem Wettbewerb teilnehmenden Teams müssen entweder in der Eigenschaft als Beschwerdeführer oder als Staatenvertreter zunächst einen anwaltlichen Schriftsatz zu einem fiktiven Fall anfertigen und die von ihnen vertretene Rechtsposition sodann bei den mündlichen Plädoyers in Straßburg gegenüber zwei gegnerischen Teams verteidigen.

Der diesjährige Fall widmete sich schwerpunktmäßig Fragen des Parteienrechts. Hinzu traten Probleme betreffend u.a. die Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit, das Recht auf Achtung der Privatsphäre sowie die Prozeßgarantien. Das Heidelberger Team vertrat die Rechtsposition der Beschwerdeführer, die sich durch die in Rede stehenden staatlichen Maßnahmen, wie etwa ein Parteienverbot, in ihren Konventionsrechten verletzt sahen. Von Dezember bis Februar bereitete das Heidelberger Team die in Französisch abgefaßten Schriftsätze vor. Wie jedes Jahr bedeutete dies: einschlägige Konventionsbestimmungen auslegen und anwenden, Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte analysieren, die Praxis des Europarates verfolgen und eine Argumentationsstrategie entwickeln. Nach Ablieferung der Schriftsätze wurden die Plädoyers am Institut mit der Unterstützung zahlreicher Mitarbeiter, die sich als Proberichter zur Verfügung stellten, eingeübt. Dabei wurden zugleich auch die sprachlichen und schauspielerischen Fertigkeiten der Teilnehmer trainiert.

An dem Wettbewerb nahmen in diesem Jahr insgesamt 62 Teams teil, davon rund ein Drittel aus Frankreich. Die Teilnahme von Mannschaften aus Kanada, den USA, Südamerika und Afrika belegte aufs Neue, daß der Wirkungskreis der Konvention über den rein europäischen Kontext weit hinausgeht. Aus Deutschland waren neben dem Heidelberger Team Mannschaften aus Bonn, Freiburg, Gießen und Würzburg vertreten. Die mündliche Verhandlungswoche in Straßburg fand vom 25. bis zum 28. März im Gebäude des Europarates statt. Für das Heidelberger Team plädierten Marilyne Faltot und Imen Gallala; Jantine de Kock fungierte als>conseillère juridique. Gegner des Heidelberger Teams waren die Mannschaften der Universitäten Avignon (Frankreich) und Montreal (Kanada). Letztere bestritt gegen das Team aus Lausanne (Schweiz) später das Finale, in dem sich die Mannschaft aus Lausanne durchsetzte.

Wenngleich auch in diesem Jahr die Preise nicht nach Heidelberg gingen, hat sich die Teilnahme an dem Wettbewerb und die damit verbundene Arbeitsbelastung für die Mitglieder des Heidelberger Teams ausgezahlt. Sie haben nicht nur zusätzliche Rechtskenntnisse in einem spannenden Gebiet erlangt, sondern auch ihre rhetorischen Fähigkeiten geschult und gelernt, im Team zu arbeiten. Nicht zuletzt wurden ihre Aufwendungen und Mühen durch eine schöne und erlebnisreiche Woche in Straßburg honoriert.