Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht Logo Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht

Sie befinden sich hier: Forschung Forschung nach Rechtsgebieten Völkerrecht Völkerrechtswissenschaft im Vergleich

Völkerrechtswissenschaft im Vergleich: Die völkerrechtliche Verantwortung multinationaler Unternehmen im Spiegel der Völkerrechtsliteratur aus Deutschland und den USA

Über das Projekt:

Im Zuge der Globalisierung weiteten Unternehmen ihre internationalen Aktivitäten immer stärker aus – unterstützt durch das Völkerrecht, das Unternehmen als Träger bestimmter Menschenrechte anerkennt und dessen investitionsbezogene Regeln unternehmerische Investitionen im Ausland schützen. Genuine Pflichten legt ihnen das Völkerrecht trotz ihres großen Gefährdungspotentials für Mensch und Natur dagegen kaum auf. Inwiefern in diesem Ungleichgewicht eine „governance gap“ zu sehen ist, die es mit den Mitteln des Völkerrechts zu schließen gilt, ist die Grundfrage der Debatte um die völkerrechtliche Verantwortung multinationaler Unternehmen.
 
Die Dissertation nähert sich der Thematik aus einem bisher noch nicht eingenommen Blickwinkel: Sie untersucht, inwiefern sich die Debattenbeiträge aus den „nationalen Völkerrechtswissenschaften“ unterscheiden. Mit anderen Worten: Spielt es eine Rolle, wo der Diskurs über völkerrechtliche Unternehmensverantwortung geführt wird? Die (auch) praktische Relevanz der Fragestellung zeigte Anfang 2020 das aufsehenerregende Nevsun-Urteil des kanadischen Supreme Court: Es sei nicht „plain and obvious“, dass Unternehmen wie Nevsun nicht an Völkergewohnheitsrecht gebunden sind und für dessen Verletzungen nicht haftbar gemacht werden können. Aus Sicht dieser Arbeit interessant: An den zentralen Stellen des Urteils stützte sich der Gerichtshof auf amerikanische Literaturstimmen.
 
Vor diesem Hintergrund untersucht und vergleicht die Dissertation die – mittels eigenem Verfahren ermittelten – zentralen Literaturbeiträge zur völkerrechtlichen Unternehmensverantwortung aus Deutschland und den USA. Die Wahl der Untersuchungsländer ergibt sich aufgrund der immer wieder – etwa mit Blick auf Methodik – betonten Unterschiede (typischer) deutscher und amerikanischer Völkerrechtsforschung, die einen deutsch-amerikanischen Vergleich besonders reizvoll erscheinen lassen, sowie der großen Bedeutung der Forschergemeinschaften beider Länder für den völkerrechtlichen Diskurs.
 
Insgesamt knüpft das Vorhaben an Forschungsbestrebungen an, das „Nationale“ des Völkerrechts und seiner Wissenschaft genauer zu erforschen – und geht gleichzeitig eigene Wege, indem es erstmals die wissenschaftlichen Debattenbeiträge aus zwei Ländern zu einer konkreten Thematik umfassend vergleicht.

Doktorand

Betreuerin