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Wissensmanagement im internationalen Mehrebenensystem

Über das Projekt:

Information und Wissen kommen in der modernen, globalisierten Gesellschaft eine enorme Bedeutung zu. Institutionen von der lokalen bis internationalen Ebene agieren schon lange nicht mehr nur durch finanzielle oder rechtliche Instrumente. Vielmehr handeln sie durch Wissenserzeugung, -sammlung, -verwaltung und -verbreitung. Da Verwaltungsträger heute auf mehreren Ebenen Aufgaben gemeinsam erfüllen, rückt die Verflechtung und das Zusammenspiel globaler mit regionalen und nationalen, staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren in den Mittelpunkt. Dabei erweist sich das Wissensmanagement im internationalen Mehrebenensystem als ambivalent: Einerseits bietet es Chancen, Wissen zu generieren, das in einem unitarischen System nicht existiert. Andererseits treten durch verschiedene Sprachen, Verwaltungs- und Rechtskulturen vermehrt Herausforderungen für das Wissensmanagement auf, die gemeistert werden müssen. Zugleich ist die Frage, wie Wissen in einer Gesellschaft verteilt ist, aus demokratietheoretischer Perspektive und Machtaspekten ein bedeutender Gesichtspunkt.

Insbesondere die Gesundheitsverwaltung ist von einer ebenenübergreifenden Kooperation zwischen nationalen, regionalen und globalen Wissensakteuren geprägt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) oder das Robert Koch Institut (RKI) beispielsweise erheben und produzieren Daten, veredeln diese zu Informationen und gewinnen hieraus Wissen über eine zunehmende Zahl nicht nur gesundheitlicher, sondern auch wirtschaftlicher, politischer, rechtlicher, sozialer und ökologischer Faktoren unseres täglichen Lebens. Sie sind Datenarchive, Rechenzentren, Informationsagenturen und Wissenshersteller zugleich. Zuletzt illustrierte die Corona-Pandemie besonders eindrücklich die tatsächliche und rechtliche Relevanz sowie politische Brisanz der gesundheitsspezifischen Wissensverwaltung im Mehrebenensystem. Bei ihrer Bewältigung stellte sich der Fluss von Informationen und Wissen als Schlüsselfaktor heraus. Die Pandemie führte der Weltgemeinschaft vor Augen, dass zahlreiche Gesundheitsprobleme die Kapazitäten der lokalen und regionalen Ebene übersteigen und dass das Zusammenwachsen des Verwaltungsraums sowie die fortschreitende Globalisierung zu einem verstärkten Bedarf auch an Informationen und Wissen geführt haben, die außerhalb des eigenen Verwaltungsraums zur Verfügung stehen.

Vor diesem Hintergrund widmet sich das Habilitationsvorhaben dem gesundheitsspezifischen Wissensmanagement im Mehrebenensystem, d.h. der Kooperation zwischen nationaler, europäischer und internationaler Ebene bei der Erhebung, Verarbeitung und Nutzung bzw. Weiterverbreitung gesundheitsrelevanten Wissens. Ziel ist es, die inhaltlichen Konturen und dogmatischen Strukturen sowie den politischen Kontext dieses Bereiches zu analysieren und ihn exemplarisch anhand des paradigmatischen Referenzgebiets des Gesundheitsverwaltungsrechts als Wissensordnung zu entfalten.


Habilitandin

Betreuer

Publikationen

  • COVID-19 and Constitutional Law: The Case of Germany. In: Covid-19 and Constitutional Law. Covid-19 et droit constitutionnel, José María Serna de la Garza (Hrsg.). Universidad Nacional Autónoma de México, Mexico 2020, 149-156.