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08.02.2022: MPIL Momentum digital. "Der Universalismus der Menschenrechte"

Der Anspruch der Menschenrechte auf universelle Geltung erfährt weithin Kritik. Das Buch „Der Universalismus der Menschenrechte” (UTB, Tübingen 2021) stellt mit dem Postkolonialismus, dem Kulturrelativismus, dem Kollektivrecht sowie dem Feminismus vier kritische Perspektiven auf den Universalismus der Menschenrechte vor und entwickelt daraus das Modell eines vermittelten Universalismus, der die Kritiken annimmt, gleichzeitig jedoch ihre jeweiligen Grenzen deutlich benennen kann.

Anlässlich der Veröffentlichung diskutierte Autorin Janne Mende (MPIL) am 8. Februar 2022 in einem MPIL Momentum digital ihr hochaktuelles Werk mit Beate Rudolf (Deutsches Institut für Menschenrechte) und Tine Stein (Georg-August-Universität Göttingen). Die publikumsoffene Veranstaltung wurde von Alexandra Kemmerer (MPIL) moderiert. Über 100 Personen nahmen an dem Zoom-Meeting teil, viele weitere verfolgten das Event im Livestream.

Eingangs stellte Janne Mende in vier Schritten zentrale Aspekte ihres Buches vor, wobei sie einen besonderen Fokus auf den Strang postkolonialer Kritik legte. Zunächst erläuterte sie die Ziele des Buches, ging dann auf den Vorwurf ein, dass Menschenrechte „westlich“ seinen und zeigte die Relevanz dieses Vorwurfs auf. Schließlich präsentierte sie ihr Modell eines vermittelten Universalismus‘ der Menschenrechte.

Beate Rudolf widmete sich in ihrem Kommentar insbesondere dem Kapitel über feministische Kritik an den Menschenrechten. Sie nahm die Feststellung Janne Mendes in den Blick, dass die feministische Kritik an den Menschenrechten den Partikularismus von Menschenrechten in zweierlei Hinsicht adressiere: Zum einen habe der Menschenrechtsdiskurs vor allem in der Vergangenheit den diversen Erfahrungen von Frauen nicht ausreichend Rechnung getragen. Zum anderen verschleiere aus feministischer Perspektive die Kritik am Universalismus durch zu grobe Gegenüberstellungen die Differenziertheit unterschiedlicher menschenrechtlicher Defizite. Anschließend teilte sie – ihre Perspektive der Direktorin einer nationalen Menschenrechtsinstitution betonend – ihre eigene Einschätzung über das Ineinandergreifen feministischer Kritik an den Menschenrechten und der aktuellen Entwicklungen im Menschenrechtsregime, das sich insbesondere im Bereich der Frauenrechte zeige.

Die Politikwissenschaftlerin Tine Stein sieht den Verdienst des Buches darin, „die gegenwärtige Infragestellung von Menschenrechten und die Kritik daran zu bündeln“. Der Anspruch des Buches sei es, zwei Fragen zu beantworten: die Frage, warum es vehemente Kritik am Universalismus der Menschenrechte gibt und die Frage, inwiefern der Universalismus der Menschenrechte dennoch berechtigt ist. Der Argumentation im Hinblick auf letztere Fragestellung nahm sich Tine Stein in ihrer Kommentierung an. Insbesondere ging sie auf ein Argument ein, das den Universalismus in unterschiedlichen nicht-westlichen Traditionen begründet sieht und erläuterte, warum sie eine moral-philosophische Begründung des Universalismus für erforderlich hält.

Im Anschluss erhielt Janne Mende die Möglichkeit zur Stellungnahme, bevor die lebhafte Diskussion auch für das Publikum geöffnet wurde.

 

Bericht: Laura Kraft

MPIL Momentum:

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