Sie befinden sich hier: Institut Das Institut Das Gebäude Ausgestellte Kunstwerke Begegnung. - Matthias Mansen, 1991
Begegnung ist eine vierteilige Folge von Farbholzschnitten des Künstlers Matthias Mansen (*1958). Mansen zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Erneuerern des Holzschnitts. Sein Werk steht in der Tradition großer Holzschneider wie Albrecht Dürer und knüpft zugleich an die deutsche expressionistische Druckgrafik sowie die japanische Farbholzschnittkunst an. Für Mansens künstlerische Entwicklung prägend waren sein Lehrer Markus Lüpertz, bei dem er von 1978 bis 1984 in Karlsruhe studierte, sowie Georg Baselitz.
In Begegnung verknüpft Mansen Elemente der Fotografie und Collage mit der filmischen Montage. Die Serie entstand in der sogenannten „Lost-Block“-Technik, bei der dieselbe Holzplatte schrittweise weiterbearbeitet und in unterschiedlichen Zuständen gedruckt wird. Jede Druckstufe bildet ein eigenständiges Bild und dokumentiert zugleich den Entstehungsprozess des Werkes. So wird nicht nur ein Motiv dargestellt, sondern auch dessen Veränderung und Entwicklung sichtbar gemacht.
Begegnung entstand 1991 während eines Arbeitsaufenthaltes Mansens in New York. In dieser Zeit entwickelte er zentrale Elemente seiner späteren Bildsprache: die Aufgliederung eines Motivs in mehrere Bildzustände, die Untersuchung von Licht und Raum sowie die Auffassung des Bildes als offenen, prozesshaften Vorgang. Angeregt durch die Dynamik und Intensität des New Yorker Großstadtlebens zeigt die Serie zwei Menschen, die aufeinander zugehen und einer alltäglichen Straßenszene entnommen sein könnten. Indem diese Begegnung auf vier einzelne Holzschnitte verteilt wird, erscheint sie als zeitlicher Ablauf – vergleichbar mit einer filmischen Sequenz oder einer Bildfolge im Comic. Das Aufeinandertreffen wird nicht als Momentaufnahme, sondern als Bewegung und Prozess erfahrbar.
Im Zusammenspiel mit dem Hängungsort 038 entfaltet das Werk eine zusätzliche Bedeutungsebene. Die Serie korrespondiert mit dem architektonischen Leitgedanken der „diskursiven Intimität“, der den 2019 eingeweihten Neubau prägt. Raum 038 beherbergt mit der „Montagsrunde“ einen zentralen Ort des wissenschaftlichen Austauschs innerhalb des Instituts sowie darüber hinaus zahlreiche internationale Fachveranstaltungen. Mansens Begegnung wird damit zu einem Sinnbild für das Aufeinandertreffen, das Aufeinanderzugehen und den Dialog im MPIL. In ihrer prozesshaften Gestaltung spiegelt die Serie die Dynamik von Begegnung und Austausch wider und verweist auf die besondere Funktion des Raumes als Ort des gemeinsamen Denkens und Diskutierens.