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Abstracts of the last 4 Issues

Wer spricht für die Kolonisierten? Eine völkerrechtliche Analyse der Passivlegitimation in Restitutionsverhandlungen

Jochen von Bernstorff/Jakob Schuler
 
 
Mehr als 100.000 Objekte allein aus Afrika, darunter Kultgegenstände, Werkzeuge, Geschirr, Kunstwerke und Musikinstrumente bis hin zu Körperteilen Verstorbener, liegen in europäischen Museen und Sammlungen. Ein kürzlich veröffentlichter, von der französischen Regierung in Auftrag gegebener Expertenbericht (Savoy/Sarr-Bericht) fordert die Restitution aller im kolonialen Kontext nach Europa verbrachten Objekte. In vielen europäischen Hauptstädten werden derzeit Rückführungen geplant. Im Rahmen von Restitutionsverhandlungen stellt sich dabei immer häufiger die Frage, an welche Akteure auf dem Gebiet der damaligen Kolonien die jeweiligen Objekte zurückgegeben werden sollen. Der folgende Beitrag nimmt dies zum Anlass, der umstrittenen völkerrechtlichen Frage nachzugehen, mit welchen Akteuren in den Herkunftsländern über Restitutionen verhandelt werden soll bzw. muss, wenn eine Rückgabe gewollt ist. Unterschieden wird in diesem Zusammenhang vom aktuellen Museumsleitfaden des Deutschen Museumsbundes zwischen “Herkunftsstaaten”, “Herkunftsgesellschaften” und “Einzelpersonen” mit einem Bezug zum jeweiligen Objekt. Nicht selten kommt es hier im Zielland der Rückführung zu konkurrierenden Ansprüchen der verschiedenen Akteure. Ob und unter welchen Voraussetzungen rückgebende europäische Stellen Regierungsvertreter oder die Vertreter bestimmter Volksgruppen aus den Herkunftsländern der Objekte beteiligen müssen bzw. ausschließen dürfen, wird völkerrechtlich analysiert und beantwortet.

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