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Jessup Moot Court 2009

Erfahrungsbericht - Jessup Moot Court 2009

Heidelberg – Münster – Washington – und zurück

Als wir die langersehnte Nachricht erhielten, im Heidelberger Team an dem 50-jährigen Jubiläum der Philip C. Jessup Moot Court Competition teilzunehmen, lag Washington nicht nur zahlreiche Kilometer sondern auch unzählige Arbeitsstunden, mehrere Hektoliter Kaffee, durchgemachte Nächte, aber vor allem viele Augenblicke der Freude entfernt.

 

Von unseren Coaches, allen voran David Diehl, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg, und den student coaches David Schweitzer und Rebecca Schmidt, wurden wir schon zu Beginn unserer Vorbereitungszeit von dem „Jessupfieber“ angesteckt. Trotzdem wurde uns schnell klar, dass die Teilnahme am Jessup Moot Court viel Arbeit erfordern würde und alle vier Teilnehmer des Heidelberger Mädchenteams - Marlitt Brandes, Ekaterina Filippenko, Anna-Katharina Hübler und Elisa Freiburg - an einem Strang würden ziehen müssen.

Das Heidelberger Team zusammen mit dem Team aus Venezuela v.l.n.r.: Ekaterina Filippenko, David Diehl, Marlitt Brandes, David Schweitzer, Elisa Freiburg, Anna-Katharina Hübler, Rebecca Schmidt (h. Reihe)

 

So machten wir uns Anfang September hoch motiviert an die Arbeit. Unterstützt wurden wir dabei nicht nur von unseren Coaches, die ihrerseits schon erfolgreich für das Heidelberger Team am Jessup teilgenommen hatten, sondern auch von dem gesamten Max Planck Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, wo wir nicht nur ein eigenes Büro mit elektronischen Arbeitsplätzen zur Verfügung gestellt bekamen, sondern auch auf den Rat der zahlreichen, fachlich  sehr kompetenten, Mitarbeiter vertrauen konnten. Die folgenden Monate waren geprägt von intensiver Recherche und emsiger Arbeit an den Schriftsätzen, die am 12. Januar nach einem spannenden und nervenstrapazierendem Finish abgegeben wurden. Nach einer kurzen Erholungsphase begann die Vorbereitung auf die mündlichen Verhandlungen, die einen knappen Monat später in Münster stattfanden.

 

Nach einem halben Jahr Vorbereitung machten wir uns am 25. Februar mitsamt ordnerweise Literatur und einer ganzen Menge Lampenfieber auf nach Münster, wo wir bis zum 1. März an der Westfälischen Wilhelms-Universität die nationale Ausscheidung bestritten. Die Veranstaltung, die von Hagen Nollau (National Administrator) am Lehrstuhl von Prof. Christian Walter liebevoll organisiert wurde, begann mit einem Empfang der Bürgermeisterin im historisch bedeutsamen Friedenssaal, der uns auf die kommenden Tage einstimmte.

 

In den folgenden zwei Tagen fanden die Vorrunden der deutschen Ausscheidung statt, an der sechzehn Teams teilnahmen. Nach vier spannenden Begegnungen vor jeweils drei Richtern gegen Teams aus Frankfurt/Oder, Göttingen, Mainz und München, warteten wir dann am Freitagabend gespannt auf die Bekanntgabe der Halbfinalisten. Da wir unser Auftreten in den Vorrunden gemischt einschätzten, hatten wir nach der Bekanntgabe des viert- und drittplatzierten Teams die Hoffnung fast aufgegeben. Umso größer waren dann die Überraschung und der Jubel, als wir als erstplatziertes Team aus der Vorrunde hervorgingen. Aus dem packenden Halbfinale wiederum gegen das Münchener Team am nächsten Tag gingen wir als glücklicher Sieger hervor und traten am Nachmittag im Saal des Münsteraner Schlosses gegen das Gastgeberteam im Finale an. Diese Begegnung konnte Münster nach einer spannenden 90minütigen Verhandlung vor der zehnköpfigen Richterbank unter dem Vorsitz von Bruno Simma, Richter am Internationalen Gerichtshof, schließlich für sich entscheiden.

 

Das Heidelberger Team erreichte somit den zweiten Platz in der Gesamtwertung und zudem den Preis für die zweitbesten Memorials. Um dem Ruf des ewigen zweiten auch gerecht zu werden, sei noch hinzugefügt, dass wir selbst in der inoffiziellen Wertung des Spirit of the Jessup Awards hinter Bochum diesen Platz belegten, zumindest in dieser Hinsicht war unsere Platzierung wohl einmalig in der Heidelberger Jessup-Geschichte.

 

Mit unserem zweiten Platz in der deutschen Vorausscheidung konnten wir uns neben über 100 anderen Teams aus der ganzen Welt für die internationale Endausscheidung vom 22. bis zum 28. März 2009 im Fairmont Hotel in Washington, D.C. qualifizieren. Dem finanziellen Engagement unserer Sponsoren ist es zu verdanken, dass die Fahrt nach Washington tatsächlich stattfinden konnte. Für die großzügige und schnelle Zusage von Spendengeldern bedankt sich das Heidelberger Team ganz herzlich bei:

 

Herr Eckhart Thomas, dem Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD), den Anwaltskanzleien Gleiss Lutz und Melchers und dem Deutschen Anwaltsverein (DAV).

 

Zur Vorbereitung auf die internationale Ausscheidung wurden wir zusammen mit dem drittplatzierten Team aus Tübingen, das zum 50jährigen Jubiläum als Exhibition Team anreisen durfte, zwecks eines weiteren Probepleadings zu Gleiss Lutz nach Stuttgart eingeladen, wofür wir uns an dieser Stelle ebenfalls noch einmal recht herzlich bedanken wollen.

 

Am 20. März ging es dann auf die lang ersehnte Reise nach Washington, wo wir auf die 114 anderen teilnehmenden Teams trafen und einen ersten Eindruck von dem Esprit, den der Jessup ausmacht, gewannen. In der Vorrunde in Washington begegneten wir Teams aus China, Kasachstan, Kuwait und Venezuela. Während wir die ersten drei Begegnungen für uns entscheiden konnten, mussten wir uns zwei ausgezeichneten Oralists aus Venezuela knapp geschlagen geben. Leider reichten die drei Siege nicht, um uns für die Advanced Rounds zu qualifizieren und somit endete der eigentliche Wettbewerb für uns am Mittwoch. Obwohl wir uns einer kleinen Enttäuschung nicht verwehren konnten, hatten wir nun umso mehr Zeit, Studenten aus aller Welt näher kennen zu lernen, gemeinsam zu feiern und außerdem am parallel stattfindenen Jahrestreffen der American Society of International Law teilzunehmen. Besondere Highlights stellten weiterhin der traditionell beim Jessup stattfindende Dress National Ball sowie das 50th Anniversary Celebration Dinner dar: Bei ersterem zogen die weiblichen Teilnehmer unseres Teams freudig die Dirndl an und riefen damit große Begeisterung hervor, während  die männlichen Teilnehmer mit ihrer Verkleidung als David „The Hoff“ Hasselhof eher für Verwirrung sorgten und beim nächsten Mal doch eher wieder auf die altbewährten Lederhosen zurückgreifen würden. Beim Gala-Dinner im Washingtoner Ronald Reagan Center konnten wir unter anderem Vorträgen der ehemaligen IGH-Präsidenten Rosalyn Higgings und Stephen M. Schwebel lauschen und solche „Urgesteine“ des Völkerrechts, wie Benjamin Ferencz, persönlich kennen lernen, was wohl für jeden dem Völkerrecht verbundenen Studenten eine einmalige Erfahrung darstellt.

 

Am Samstag versammelte man sich schließlich zum Finale zwischen der Universidad des los Andes aus Kolumbien und dem University College London. Schon bevor die Richterbank, bestehend aus Bruno Simma, Ruth Wedgwood und Jose Alvarez, das Urteil verkündete, war den im Saal Anwesenden klar, dass das kolumbianische Team, besonders aufgrund ihres überragenden ersten Oralists, das Rennen gemacht haben musste. So wurde dann auch die Universidad des los Andes als Sieger des Philip C. Jessup International Moot Court 2009 von Bruno Simma bekannt gegeben.

 

Aber auch für uns Heidelberger endete die Woche in Washington am Ende erfreulich, als wir schließlich erfuhren, dass wir mit dem 35. Platz in der Gesamtwertung durchaus respektabel abgeschnitten hatten und unsere Memorials sogar auf Platz 17 landeten.

 

Insgesamt war die Teilnahme am Jessup Moot Court eine unvergleichliche Erfahrung, die uns  sowohl menschlich als auch im Hinblick auf unser Studium nachhaltig geprägt hat und die keiner von uns missen möchte. Eine Teilnahme an einem Moot Court im Allgemeinen und am Jessup im Speziellen möchten wir jedem, der schon während seines Studiums auf wissenschaftlich hohem Niveau Praxiserfahrung sammeln möchte, sehr ans Herz legen. Wir jedenfalls werden uns wohl unser Leben lang mit Freude an unsere Erfahrungen während des letzten halben Jahres zurückerinnern und in den kommenden Jahren sicherlich auf die ein oder andere Weise dem Jessup verbunden bleiben.

 

Thank you for your kind attention.

 

 

 

Das Heidelberger Jessup Moot Court Team 2009

(Marlitt Brandes, Ekaterina Filippenko, Elisa Freiburg und Anna-Katharina Hübler)