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Unternehmen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit: Autorität, Legitimität und Verantwortung im Menschenrechtsregime der Vereinten Nationen

Leiter(in):

PD Dr. Janne Mende

Über das Projekt:

Die wachsende Bedeutung privater Akteure, ihre Relevanz, Macht und Legitimität in der Global Governance fordern das Menschenrechtsregime und die ihm zugrunde liegende Konstellation zwischen privater und öffentlicher Sphäre heraus.

Das vorliegende Projekt rekurriert auf das Menschenrechtsregime der Vereinten Nationen, um die Rolle von Wirtschaftsunternehmen in der Global Governance aus der Perspektive internationaler politischer Theorie zu diskutieren. Das Projekt entwickelt dafür das Konzept einer interdependenten Triade zwischen a) Menschenrechtsverantwortung, b) Legitimität und c) Macht. Auf dieser Grundlage wird, erstens, die These von Unternehmen als gesellschaftlichen Akteuren diskutierbar, da sie sich weder als rein private noch als öffentliche Akteure definieren lassen und somit die zwei-polige Konstellation zwischen privat und öffentlich überschreiten. Zweitens wird das Konzept einer komplementären Menschenrechtsverantwortung entwickelt und analysiert, inwiefern es einer möglichen Privatisierung des Menschenrechtsregimes vorbeugen kann.

Eine empirische Fallstudie, die die skizzierten konzeptuellen Diskussionen prüfen und weiterentwickeln kann, bieten die aktuellen Kontroversen in der Open-ended intergovernmental working group on transnational corporations and other business enterprises with respect to human rights (OEIWG) des UN-Menschenrechtsrats, die das Ziel eines völkerrechtlich verbindlichen Menschenrechtsvertrags für Unternehmen verfolgt. Erstens fordert sie den weitestgehend weichen und auf Freiwilligkeit beruhenden Charakter privater Governance und der privaten Rolle von Unternehmen heraus. Zweitens verändert sie die für das Völkerrecht charakteristische Dichotomie zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Drittens trägt sie zu einer Ausweitung und gleichzeitigen Regulierung unternehmerischer Macht und Legitimität in der Global Governance bei.Das vorliegende Projekt wird mit einer qualitativen Inhaltsanalyse der Prozesse innerhalb der OEIWG die erste systematische Analyse dieses vielschichtigen, hoch politisierten und relevanten Vorhabens in den Vereinten Nationen bereitstellen. Ziel ist es, sowohl die divergierenden Konzepte als auch ihre normative Kriterien zu erarbeiten, um die sich wandelnden Formen und Interdependenzen zwischen Macht, Legitimität und Menschenrechtsverantwortung zu erfassen, die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen in der Global Governance zu charakterisieren und deren Einfluss auf das Menschenrechtsregime zu bestimmen.

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 398306144.


Konferenz: Anmeldung geöffnet

Human Rights Responsibilities beyond the State.
Pushing the Boundaries of Public and Private

10.-11. Juni 2021, online

Organisiert von Janne Mende und Anneloes Hoff, Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht

Finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für das Forschungsprojekt Unternehmen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit: Autorität, Legitimität und Verantwortung im Menschenrechtsregime der Vereinten Nationen

Mitarbeiter(innen):

Janne Mende

PD Dr. Janne Mende leitet das Projekt seit 2018, zunächst am Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen und seit 2020 am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, wo sie eine W2-Forschungsgruppenleitung angetreten hat. Zuvor war sie u.a. Vertretungsprofessorin für Transnational Governance an der Technischen Universität Darmstadt. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Menschenrechte, Global Governance, internationale Institutionen und transnationale Normen. Zu ihren Veröffentlichungen zählen „Global Governance und Menschenrechte: Konstellationen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit“ (Nomos 2020), „A Human Right to Culture and Identity? The Ambivalence of Group Rights” (Rowman & Littlefield International 2016) sowie “Begründungsmuster weiblicher Genitalverstümmelung. Zur Vermittlung von Kulturrelativismus und Universalismus“ (Transcript 2011).

Anneloes Hoff

Anneloes Hoff ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt seit 2020 und forscht im Feld Unternehmen und Menschenrechte. Ihr interdisziplinäres Forschungsprofil basiert auf ihrem DPhil und einem MPhil in Socio-Legal Studies an der University of Oxford sowie ihrem BA (Hons) in International Law and Politics am University College Roosevelt (Universität Utrecht). Ihre Dissertation untersuchte die Corporate-Social-Responsibility-Praxen eines Goldminen-Unternehmens und wurde durch 15 Monate Feldforschung in Kolumbien fundiert.

Marcel Frentzel

Marcel Frentzel ist wissenschaftliche Hilfskraft im Projekt seit 2018. Seit Herbst 2019 studiert er im Master Demokratie und Governance an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seinen Bachelorabschluss in Politikwissenschaft und Philosophie absolvierte er 2019 an der Universität Kassel. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in dem Bereich der Demokratietheorie, der Internationalen Politischen Theorie sowie der Wissenschaftstheorie.

Publikationen

  • Mende, Janne: Global Governance und Menschenrechte: Konstellationen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Internationale Politische Theorie. Nomos, Baden-Baden, 2020, 340 S. doi: 9783848715985 Details
  • Mende, Janne: Experteninterviews in internationalen Organisationen: Zwischen Standardisierung und Narration. In: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 27 (2), 139-152 (2020). doi: 10.5771/0946-7165-2020-2-139.
  • Mende, Janne, Stefan Müller: Einfach komplex? Die gesellschaftliche Vermittlung politikwissenschaftlicher Analysen. In: Zeitschrift für Politikwissenschaft 30 (3), 379-399 (2020). doi: 10.1007/s41358-020-00229-0. Open Access
  • Mende, Janne: The Public, the Private, and the Business-Societal. A Threefold Approach to Business Responsibility for Human Rights. In: A Research Agenda for Human Rights, Michael Stohl, Alison Brysk (Hrsg.). Edward Elgar Publishing, Cheltenham 2020, 155-172. Details Full Access (PDF, 293.9 KB)
  • Mende, Janne, Julia Drubel: At the Junction: Two Models of Business Responsibility for Modern Slavery. In: Human Rights Review 21 (3), 313-335 (2020). doi: 10.1007/s12142-020-00596-9. Open Access
  • Mende, Janne: From Exploration to Explanation. Researching the United Nations and other International Institutions. Max Planck Institute for Comparative Public Law & International Law Research Paper Series 5 (2), 2020. doi: 10.2139/ssrn.3526756. Open Access
  • Mende, Janne: Business Authority in Global Governance: Beyond Public and Private. WZB Berlin Social Science Center Discussion Paper SP IV (103), 2020. Open Access
  • Mende, Janne: Unternehmen als gesellschaftliche Akteure: Die unternehmerische Verantwortung für Menschenrechte zwischen privater und öffentlicher Sphäre. In: Interdisziplinäre Perspektiven auf Soziale Menschenrechte, Nikolaus Goldbach, Franziska Paulmann, Julia Druschel, Carolina Alves Vestena (Hrsg.). Nomos, Baden-Baden 2020, 77-98.
  • Mende, Janne: Business Enterprises and the Universal Declaration of Human Rights (UDHR): A Hybrid Approach. In: The Global Politics of Human Rights. Bringing the Universal Declaration of Human Rights (UDHR) into the 21st Century. Berlin Forum on Global Politics. Berlin Forum on Global Politics, Berlin 2020, 112-116. Open Access
  • Mende, Janne: Global Governance. In: The Palgrave Encyclopedia of Global Security Studies, Scott N. Romaniuk, Manish Thapa, Péter Marton (Hrsg.). Palgrave Macmillan, Cham, Basingstoke/New York 2020. Details
  • Mende, Janne: The Concept of Modern Slavery: Definition, Critique, and the Human Rights Frame. In: Human Rights Review 20 (2), 229-248 (2019). doi: 0.1007/s12142-018-0538-y. Open Access
  • Mende, Janne: Which Business? Controversies about the Scope of Application of a Future Treaty on Business and Human Rights. Völkerrechtsblog, 2018. Open Access
  • Mende, Janne: A New Responsibility in the Making: Business Companies and Human Rights. WZB Orders Beyond Borders, 2018. Open Access